Die Verteidigung des Volkes wird ausschlißlich von den Arbeiterinnen erledigt, da den Drohnen ein Stachel zugunsten eines mächtigen Geschlechtsorgans fehlt. Die Intensität des Abwehrverhaltens ist an das Alter der Bienen gebunden, so sind ganz junge, frisch geschlüpfte Bienen infolge ihres noch weichen Außenskelettes und ihrer noch fast leeren Giftblase nur schwer reizbar. Je älter die Bienen werden, umso niedriger wird die Reizschwelle, so daß schnelle Bewegungen, unangenehme Gerüche und Erschütterungen um den Stock den Abwehrvorgang aktivieren können. Die höchste Alarmbereitschaft zeigen jedoch die Wächterinnen am Flugloch.
Die Stechlust der Bienen ist zum Teil erblich bedingt, weshalb der Imker immer bestrebt ist, sanftmütige Bienen zu züchten, aber z.T. auch durch Umwelteinflüsse. So steigt z.B. bei Gewitterschwüle, Weisellosigkeit, fehlenden Futtervorräten oder wie bereits erwähnt durch hektische Bewegungen, Stöße und üble Gerüche (Alkohol, Schweiß, Pafüms, Seifen etc.) die Reizbarkeit. Dieses Abwehrverhalten bezieht sich jedoch nur auf das Bienenvolk und seine direkte Umgebung. Dies ist auch dringend notwendig, da es viele Räuber auf die kostbaren Honigvorräte der Bienen, oder auch auf die nahrhafte Bienenbrut abgesehen haben. Deshalb nimmt dieses Abwehrverhalten mit zunehmendem Abstand vom Bienenvolk auch deutlich ab. Die Biene benutzt dann lediglich ihren Stachel zur Selbstverteidigung, wenn sie selber angegriffen wird.
Das Abwehrverhalten eines Bienenvolkes richtet sich meist gegen andere Insekten, die durch das Flugloch in den Stock eindringen wollen. Artgenossen aus fremden Völkern gelten ebenfalls als Eindringlinge und werden abgestochen, falls sie sich falsch verhalten. Bei Insekten, also Tieren mit einem festen Chitin-Außenskelett gelingt es den Bienen ihren Stachel nur zwischen den einzelnen festen Segmenten anzusetzen, an den flexiblen, empfindlichen Häuten. Die Biene überlebt den Angriff, da sie den Stachel wieder unbeschadet aus dem Opfer ziehen kann. Sticht eine Biene dagegen ein weichhäutiges Tier mit Innenskelett, wie den Menschen, so kann sie ihren Stich theoretisch überall am Körper des Tieres anbringen. Praktisch wird sie jedoch durch Fell und Federn an vielen Stellen daran gehindert, oder sie muß sich erst mühsam einen Weg bahnen. Hier jedoch dringt sie nur wenig unter die Oberfläche. Da sie damit die dicke Haut nur wenig durchdringen kann, hat die Natur ihr einen Kamikaze-Trieb zum Schutz des gesamten Volkes angezüchtet. Sticht die Biene in eine elastische Haut, so kann sie ihren Stachel aufgrund der Wiederhaken und der Elastisität der Haut nicht unbeschadet wieder herausziehen. Beim Versuch reißt sie sich so den gesamten Stachelapperat aus dem Hinterleib heraus. Dies hat u.a. auch den Vorteil, daß der "Honigräuber" die kleinen Stachel schwer entfernen kann, wogegen ganze Bienen sich leicht fortwischen lassen. Nachdem Ausreißen aus dem Hinterleib treibt der Stachel zudem durch fortwährendes Voranschieben der Stechborsten, angetrieben durch die Stechmuskelatur (der ausgerissene Stachel trägt einen eigenen Nervenknoten), immer tiefer in die Haut hinein und pumpt gleichzeitig das Gift aus der Giftblase in sein Opfer. Am Ende des Stachels sitzt noch ein Organ, das eine (bananenähnlich) duftende Substanz (Alarmpheromon) abgibt, die rasch weitere Bienen zum Stechen anlockt. Selbst wenn der Honigdieb fliehen will, wird er auf diese Weise chemisch markiert und über weite Strecken verfolgt. Kein anderes Insekt schlägt seine Feinde so zielsicher und nachhaltig in die Flucht. Die Wirkstoffmenge eines Stiches reicht bei größeren Tieren jedoch nicht zur Lähmung wie bei kleineren Kerbtieren, sondern nur zur lokalen Schmerzauslösung und zum Anschwellen des Stichgebietes.
Eine Biene, die in ein anderes Volk zwecks Räuberei eindringen will, fliegt das fremde Flugloch unsicher und zögernd an, setzt sich kurz, flieht wieder und kehrt mit auffallend seitlich pendelndem Flug zurück. Starke Völker vermögen meist mit solchen Raubbienen fertig zu werden.
Anders ist das Verhalten der mit Nektar und Pollen beladenen Sammelbienen, die sich verflogen haben. Auch sie wird zunächst angegriffen, weil ihr der stocktypische Geruch fehlt. Sie flieht aber nicht, sondern bietet den Wächterinnen Futter an, welches diese begierig aufnehmen. Dabei strebt sie Schritt für Schritt zum Flugloch hin, bis sie ungehindert in den Stock schlüpft. Das Abwehrverhalten der Stockbienen wird aber gehemmt, wenn eine größere Bienenmenge in ein anderes Bienenvolk überläuft. Dies geschieht in geschlossenen Kolonien mit ausgestülpten Duftdrüsen und lebhaftem Fächeln. Der starke Duft des überlaufenden Volkes irritiert die Wächterinnen. Ein Volk oder ein Volksteil, das aus irgendwelchen Gründen seinen Stock verlassen muß, kann also ungehindert in das Nachbarvolk überwandern.
Während des gesamten Sommers werden Drohnen, auch fremde Drohnen anderer Völker, im Stock geduldet und gepflegt. Sie werden aber abgewehrt, vertrieben und sogar als nutzlose Futterfresser abgestochen, wenn der Sommer seinem Ende zugeht und eine Begattung junger Königinnen nicht mehr zu erwarten ist. Diese sogenannte Drohnenschlacht signalisiert aber, daß das Volk in Ordnung ist und sich auf den Winter vorbereitet.