Das Verhalten wird durch Handlungen bestimmt, mit denen sie auf äußere und innere Reize reagieren. Die darauf folgende Reizbeantwortung erfolgt durch Reflexe, Taxien und ganz speziefische Verhaltensweisen. Einige dieser typischen Verhaltensweisen werden u.a. nachfolgend beschrieben.




Die Reizaufnahme

Die Aufnahme der auf die Bienen einwirkenden Reize erfolgt durch verschiedene Wahrnehmungs- und Sinnesorgane, Receptoren, und werden dann über Nervenbahnen zum Zentralen Nervensystem weitergeleitet, ausgewertet und hier dann zu entsprechenden Reaktionen verarbeitet. Man unterscheidet die Rezeptoren nach den unterschiedlichen Energieformen der Reizeinwirkung, das wären Licht-, Chemische-, Mechanische- und thermische Reize.

Der Lichtsinn
Der Lichtsinn spielt im Leben der Bienen eine besondere Rolle. Die Biene ist ein Augentier und nimmt die Lichtreize durch die am Kopf sitzenden drei Punktaugen sowie zwei großen Facettenaugen wahr. Beide Augenarten wirken zusammen und gleichen die schlechte Beweglichkeit des Kopfes wieder aus. Die Punktaugen sind sehr lichtempfindlich, mit ihnen vermag die Biene jedoch keine Konturen erkennen. Die Facettenaugen sind zwar lichtschwach, ermöglichen aber ein konturenreiches Sehen über ein weites Umfeld. (mehr dazu unter "Körperbau der Biene")
Das Farbsehen ermöglicht es der Biene zwischen den verschiedenen, durch die Blüten reflektierten, Lichtwellen zu unterscheiden, und somit die vielfältige Blütenpracht zu erkennen. Allerdings ist das Farbspektrum der Biene in den ultravioletten Bereich verschoben, wobei sie niedrige Frequenzen des roten Lichtes nicht wahrzunehmen vermag. Somit sieht die Biene andere Farben als der Mensch. Auch sind Blüten, mit für uns einheitlicher Farbe, für die Bienen konturenreich, weil die Blütenteile das ultraviolette Licht unterschiedlich reflektieren.
Die Bienen sind außerdem in der Lage, polarisiertes Licht wahrnehmen, so daß sie den Sonnenstand auch bei völlig bedektem Himmel ermitteln und sich somit orientieren können.
Wie die meisten Insekten erkennt die Biene Gegenstände, die sich in ihrer Form konturenreich von der Umgebung abgrenzen, deutlicher als welche, die sich farblich nur kaum von der Umwelt unterscheiden. Außerdem sieht die Biene sich bewegende Gegenstände besser, weshalb es auch immer ratsam ist, an ein Bienenvolk ruhig heranzugehen.

chemische Sinne
Zu den chemischen Sinen gehören der Geruchs- und der Geschmackssinn, bei sind wichtige Orientierungshilen bei der Nahrungssuche, sowie bei der Kommunikation (siehe "Mitteilungsverhalten der Bienen")

  • Bienen sind auf die Pflanzendüfte weitgehend spezialisiert und reagieren schon auf geringste Duftspuren in größerer Entfernung. Beim Besuch der Blüte vermag sie deutlich den Pollengeruch vom eigentlichen Blütenduft zu unterscheiden. Die Duftstoffe werden mit Sinneszellen an den Antennen der Bienen wahrgenommen.
  • Die Geschmackssinnesorgane liegen an der Zungenwurzel. Im Gegensatz zu dem Menschen empfindet die Biene nur wenige Zuckerarten als süß. Auch vermag sie geringere Zuckerkonzentrationen nicht wajhrzunehmen, wie der Mensch etwa. Dies bewhrt sie davor, allzu dünnen Nektar zu sammeln, für den sich der Aufwand gar nicht lohnt. Die Geschmacksempfindung für Bitterstoffe scheint den Bienen auch zu fehlen, da sie auch solche Zuckerlösungen nicht verweigert.


  • Mechanische Sinne
    Mechanische Sinne sind solche Sinneswahrnemungen, bei denen Reize durch Druck, Zug, Stoß, Vibration u.ä. auftreten. Hierzu gehören Tast-, Vibrations-, Strömungs- und Schweresinn.
  • Der Tastsinn ist vor allem an Tastborsten und Tasthaaren gebunden. Die Tastborsten sind gelenkig in die Chitindecke eingelassen und über den gesamten Bienenkörper verteilt. Der Tastsinn ist bei den Bienen besonders stark ausgebildet und für die Orientierung im dunklen Bienenstock, sowie bei der Verrichtung bestimmter Aufgaben unentbehrlich.
  • Der Vibrationssinn ist einem Seitenorgan, dem Subgenualorgan, zugeordnet, das jeweils an dem oberen Ende der Schiene der Vorderbeine liegt. Wahrscheinlich sind aber auch die Tasthaare in der Lage, Erschütterungen wahrzunehmen. Gegen plötzliche, stoßartige Erschütterungen sind die Bienen besonders empfindlich, insbesondere während der Wintermonate.
  • Der Strömungssinn ermöglicht es den Bienen während des Fluges ihren Flügelschlag der jeweiligen Luftströmung anzupassen. Ein saitenartiges Sinnesorgan, das Johntonssche Organ, im Wendeglied der beiden Antennen gelegen, nimmt den Luftwiderstand als Reiz auf, welcher die entsprechende Reaktion bei der Biene auslöst.
  • Der Schweresinn befähigt die Bienen, ihre Körperhaltung zu regulieren und sich auf die Schwerkraft einzustellen. Die Wahrnehmungsorgane sind hierzu Tasthaare und Saitenorgane. Mit Hilfe des Schweresinnes ist den Bienen der senkrechte Wabenbau möglich.
  • Der Gleichgewichtssinn ist vermutlich eng mit dem Schwere- und Tastsinn verbunden. Zum Erhalt des Gleichgewichtes während des Fluges spielen aber auch die Augen eine entscheidene Rolle. Die Lage des Körpers wird also auch optisch eingestellt und korrigiert.


  • Thermischer Sinn
    Der Thermische Sinn der Bienen ist nicht nur sehr stark ausgeprägt, er ist auch lebensnotwendig, da die Temperatur im Bienenstock für die empfindliche Bienenbrut immer nahezu konstant gehalten werden muß. Die Sinneszellen zur Wahrnehmung der Temperatur liegen vermutlich ebenfalls in den Antenen.


    Reizbeantwortung

    Die einfachsten Reizbeantwortungen sind Reflexe, die bei den Bienen als unbedingte und bedingte Reflexe in Erscheinung treten. Der unbedingte Reflex ist die Antwort auf eine Reizeinwirkung, die nicht im Hirn verarbeitet werden muß, sondern direkt von den Nervenknoten gesteuert werden. Beim unbedingten Reflex bewirkt der Reiz eine einfache, meist in sich geschlossene Handlung. So ist das Krümmen des Hinterleibes und das Ingangsetzen des Stechmechanismus ein unbedingter Reflex, der bei der Berührung der Biene ausgelöst wird.
    Beim bedingten Reflex wird die Reaktion auf den Reiz teilweise erlernt. Die Biene merkt sich Form, Farbe und Duft der Blüten, die gerade Nahrung bieten. Sie erlernt, zu welchen Tageszeiten der Nektar besonders reichlich vorhanden ist und auch, wie er auf dem kürzesten Wege zu gewinne ist. Jeder dieser Reize kann auslösender Faktor für bedingte Reflexe sein. Werden z.B. Biene auf einer Palette bestimmter Farbe gefüttert, so fliegen sie diese Farbe auch noch längere Zeit an, auch wenn dort kein Futter mehr angeboten wird. Die Bienen haben gelernt, den Reiz der Farbe mit dem Angebot an Futter zu verknüpfen.
    Die Orientierung der Bienen im Raum erfolgt durch Reize, die mit gerichteten Reaktionen beantwortet werden. Die gerichtete Ortsbewegungsreaktion wird als Taxis bezeichnet. Die verschiedenen Taxien sind nach den auslösenden Reizen, wie Licht, Duft und Temperatur, zu unterscheiden, die im Leben der Biene eine wichtige Rolle spielen. Die Bienen können dem Reiz zustreben (positive Taxis) oder fliehen (negative Taxis). Beim öffnen eines Bienenstockes fliegen die Fugbienen zum Licht hin - sie sind positiv phototaktisch -, während sich die Jungbienen vom Licht abwenden - sie sind negativ phototaktisch-. Die Bienen können auf eine Duftquelle zufliegen, sich bei Ekelgeruch aber auch abwenden. Bei einem Temperaturunterschied zur Idealtemperatur im Stock, wenden sich die Bienen der ihrem jeweiligen Bedürfnis entsprechenden günstigen Temperatur zu.
    Die Verhaltensweisen der Biene sind ein komplizierter Komplex von sich gegenseitig beeinflussenden Reizen, Reflexen, Taxien, Stoffwechselvorgängen, vererbten und erlernten Handlungsweisen.