Nach der langen Winterruhe, im Frühjahr, wenn die erste Brut erscheint, müssen die Bienen schnell Nektar, Pollen und Wasser herbeischaffen, um das Wachsen des Bienenvolkes zu gewährleisten. Die Abnahme der im vorigen Jahr gesammelten Vorräte ist der Anreiz, auszufliegen und die benötigten Nährstoffe zu sammeln.
Da es bei den Bienen kein angeborenes Wissen gibt, welches das Auffinden von nahrungsspendenen Pflanzen gewährleistet, werden Trachtquellen von den Bienen durch Versuch und Irrtum aufgespürt. Die Biene weiß also nicht, ob die Blüte Nektar spendet, sie probiert es einfach aus. Findet sie jedoch Nahrung in der betreffenden Blüte, so prägt sie sich die Form, Farbe, Duft und Standort ein, womit ein bedingter Reflex gebildet wird.
Diese erlernten Merkmale der Blüte gewinnen die Wirkung eines Reizes, auf den die Biene mit Sammeln reagiert. Eine solche Prägung begründet die Blütenstetigkeit der Biene, sie hält jedoch nur solange an, wie die Biene Nahrung bei dieser Blütenart findet. Versiegt die Nahrungsquelle, so verlernt auch die Biene die Reize. Eine Prägung auf eine Pflanzenart geschieht vornehmlich jedoch nur dann, wenn sie ausreichend Futter liefert und in größeren Mengen vorhanden ist. Bei gemischten Nahrungsquellen mit geringer Ergiebigkeit (Läppertracht) erfolgt keine reizauslösende Prägung. Die Bienen suchen und wählen dann das ergiebigste Trachtangebot. Der Imker kann durch einen kleinen Kunstgriff den Beflug auf eine bestimmte Pflanzenart ein wenig lenken, indem er im Bienenstock eine kleine Futterquelle mit den entsprechenden Duftstoffen bereitstellt.